Wenn al­les plan­mä­ß­ig läuft, dann be­o­b­ach­tet Mi­ca­do ab 2029 von der chi­le­ni­schen Wüs­te aus schwar­ze Löcher und un­be­kann­te Ga­la­xi­en. Die Aschaf­fen­bur­ger Groß­t­ei­le-Dre­he­rei Blank hat da­für ein we­sent­li­ches Teil an­ge­fer­tigt: ei­nen La­ger­ring mit An­triebs­zahn­kranz, Durch­mes­ser 3,2 Me­ter, für die Ka­me­ra­l­in­se des Te­les­kops.

»Der Auftrag war eine große Anerkennung für uns«, sagt Geschäftsführer Peter Blank (60) mit Stolz. Auch wenn das 1961 im Stadtteil Gailbach gegründete und nun in zweiter Generation geführte Unternehmen auch sonst anspruchsvolle Projekte für seine europaweiten Kunden aus Maschinen- und Anlagenbau, Vakuumtechnik, Lebensmittelindustrie, Energiewirtschaft, Chemie oder Atomtechnik fertigt: die Anfrage des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE) im November vergangenen Jahres war doch ein Höhepunkt für Blank und seine 35 Mitarbeiter. Denn wann bestellt ein Physik-Nobelpreisträger wie Reinhard Genzel, der Chef des MPE, schon mal was in einem Familienbetrieb vom Untermain?

Über die Homepage sei die Anfrage aus Garching bei München gekommen, erzählt Feinwerkmechaniker-Meister Daniel Blank, Neffe von Peter Blank und gemeinsam mit Alexej Anton verantwortlich für die Großteilefertigung. Die Firma Blank gewann die Ausschreibung, dann ging es an die Umsetzung. Das Material wurde bestellt, der Rohling kam als Schmiedeteil. Was die Großdreherei gefertigt hat, lässt sich im Groben so beschreiben: Um die optische Linse, die einen Durchmesser von drei Metern hat, liegt ein Lagerring mit einem Antriebszahnkranz, etwa 700 Kilo schwer, Durchmesser 3,20 Meter, aus hochfestem Edelstahl mit zahlreichen Ausfräsungen. Für uns Laien: So ähnlich wie beim Ring, der sich in einer Spiegelreflexkamera ums Objektiv und die Linse legt. Und mit dem sich dann Schärfe und Entfernung einstellen lassen. Nur eben viel, viel größer. Man kann es sich kaum vorstellen: Der Ring ist so präzise gearbeitet, dass die Messtoleranz im 300stel Millimeter-Bereich liegt. Oder anders ausgedrückt: wie ein einziges menschliches Haar.


Im August 2021 schließlich war mit dem Feinschliff die Arbeit beendet. Etwa ein halbes Jahr habe die Auftragsabwicklung in Anspruch genommen, so Geschäftsführer Peter Blank, der gemeinsam mit seiner Frau Edith den Gailbacher Betrieb 1985 von seinem Vater Theo übernommen und maßgeblich erweitert hat. 2015 hat Blank an der Fürther Straße das zweite Werk gebaut, auf 10.000 Quadratmetern Grund, mit einer 2.500 Quadratmeter großen Werkshalle. Hier werden Präzisionsteile mit einem maximalen Stückgewicht von 20 Tonnen, 5,5 Metern Durchmesser und zehn Metern Länge bearbeitet.

Einige Zeit lag der sorgsam verpackte Ring nun abholbereit in der Werkshalle, jetzt ist er auf dem Weg nach Garching. 2029 soll das Instrument, an dem seit 2015 gearbeitet wird, auf gut 3000 Metern Höhe in der chilenischen Wüste in Betrieb gehen. Dort gibt es so gut wie keine Lichtverschmutzung, was den Blick ins Weltall erleichtert. »Bahnbrechende neue Möglichkeiten« des Teleskops mit 39 Metern Durchmesser erwartet das Max-Planck-Institut im Hinblick auf die räumliche Auflösung und die Lichtsammelleistung. Micado werde den Weg für eine große Anzahl wissenschaftlicher Untersuchungen ebnen, die die Schlüsselfragen der modernen Astrophysik betreffen, heißt es beim MPE. Und mittendrin das Werkstück aus Aschaffenburg?

Stichwort: Micado und das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik

Das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) mit Sitz in Garching bei München baut gemeinsam mit der Europäischen Südsternwarte (ESO) das so genannte First Light-Instrument Micado (Multiple-AO Imaging Camera for Deep Observations), vereinfacht gesagt ein Kamerasystem mit extrem hoher räumlicher Auflösung. Eingebaut wird es ins Extremly Large Telescope (extrem großes Teleskop, ELT), das derzeit von einem Konsortium europäischer Partner unter Leitung des MPE entwickelt und gebaut wird. Direktor des MPE ist der Astrophysiker Reinhard Genzel (69). Dieser hat 2020 gemeinsam mit der US-amerikanischen Astronomin Andrea Ghez und dem Briten Roger Penrose den Nobelpreis für Physik erhalten. Die Wissenschaftler forschen an einem supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße, das Sagittarius A* heißt. (comü)

 

 

Grossteile Blank Weltraumteleskop MPI